Cristiana Cott – Performative Installation –

195 Cubic Centimeters, six hours per day, in: empty spaces, Düsseldorf, 01, 04, & 08-11-2020
By Evdokia Michailidou
09. April 2021

In Cristiana Cotts Performativen Installation 195 Cubic Centimeters  sehen wir Räume. Räumlichkeiten als Paradigma. Die partikulare Wechsel und Verbindungen herstellen wollen. Ohne die Vorstellung von Verwechslung und kompromittierenden Modi zu provozieren, Begehung und Begrenzung vorrausstellend, erlauben sie uns einen Einblick in Einrichtungen,  –  vor allem in entgrenzende  Anschauungen.
Sie sind soziale, geographisch fest eingegrenzte Übereinkünfte. In ihnen  leben vornehmlich  Individuen.
Sie sind zu einem bestimmten Nutzen verwendete, umschlossene Teile von Gebäuden – ihr Maßstab ist vage, aber vielversprechend. Zumindest, einnehmend, in weiten Teilen umspannend.
Individuell werden sie flächig vereinnahmt und mit Komponenten gestaltet.
Sie werden dadurch in ihrer Form und ihren aufgemachten Ausstattungen zu Räumen von Einzelnen, oder auch von Gruppen, Personen, Gemeinschaften.
Sie werden zudem auch  begehbare, anschauliche Flächen von durchaus interagierenden Plattformen.
D.h. sie haben mit Sprache und daher auch mit Sprachlosigkeit zu tun.
Und zeigen dadurch, wie ein Individuum handelt und in Beziehung steht.

In Cristiana Cotts Performativen Installation zeigt sie Räume als Käfige, in denen Menschen leben. Drei Performerx bewohnen die Käfige –  drei Tage über sechs Stunden hinweg in völliger Isolation. Sie sitzen in ihren Räumen ohne Gespräche miteinander zu führen und ohne von der Außenwelt einbezogen zu werden. Alltägliche Dinge verrichten sie in vollständiger Abkapselung. Den Besucher:innen ist es erlaubt durch Einwegscheiben in die Käfige zu schauen, oder auch in den Raum zu treten, in dem sich die Installation befindet und die Käfige mit ihren Insassen zu betrachten.
Die Installation inszeniert auf diese Weise den Entwurf eines Verdachts. Was würde geschehen, was würde sich ereignen, wenn uns niemand mehr sähe?  Es geht um die Vermutung, die Mutmaßung in einer bestimmten Angelegenheit, einer heimlichen Absicht.  Wie wäre eine sinnliche Annahme von vorstellbaren Restriktionen und der Existenz realer Einschränkungen als Räume, die Käfige sind, in denen gewohnt wird? Sie thematisiert die Verschiedenheit von Möglichkeiten, die Raum den Wohnenden geben kann und stellt die Frage nach dem Bewusstsein für komplexe und verschlüsselte, den Wohnraum eingrenzende Maßstäbe, die es in der Welt gibt. Die umschlossenen Einheiten, in denen Individuen leben, bilden dabei die Handlungsebene, in der sie als mutmaßlich soziale Räume, in dieser Konstruktion, die Enge und Sprachlosigkeit präsentieren.
Sie sind die Wirklichkeit eines performativen Moments von Gefangenheit, und von Verlust von Sprache. Leerräume, die wortlos, und aus dieser Sprachlosigkeit, ihre Visualisierung des möglichen Topos und die Auseinandersetzung mit der inhaltlichen  Angelegenheit, den Verdacht und die Annahme eines Zweifels, erschaffen. Sie werden so zu einer Ebene von Differenz, und befragen, auf welche Weise wir als Beobachter differenzieren.

Die Käfige haben  ihr Vorbild in den Einraumwohnungen, wie es sie in Hong Kong gibt. Und auch die Wohnmöglichkeiten für Menschen aus Osteuropa, die für Arbeitsprozesse nach Westeuropa reisen, sind ein Beispiel für diese Vorstellungen von begrenztem Wohnraum.

Die Performative Installation wurde vom 01. – 08.  November 2020 in der Ausstellung:  empty spaces – what are we living for? gezeigt.  Für die Realisierung der Ausstellung wurde ein großes leerstehendes Stadthaus in Düsseldorf-Kaiserswerth als „temporärer Leerraum“ bereitgestellt. Es ist das erste große Ausstellungsprojekt von empty spaces e.V.   Initiert und kuratiert wurde es von Mara Sporn.

Performers: Salmo Albatal, Isabelle Finou, Eunbi Oh

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