And The Ass Saw The Asshole
2016 | 160×110 cm | Öl und Acryl auf Leinwand | Privatbesitz |
Foto: Lydia Balke

Lydia Balke
Stupid to hide the past under snow of last april

Excuse me. Or not.
2019 – limited edition
By Evdokia Michailidou
27. Oktober 2021

Wenn Schneemänner mit Wölfen und Füchsen bildhafte Freundschaften eingehen,  – Wildgeweihe ungerührt den Menschen bestarren, und der Wagemut und die List sich einen Weg durch die Kollaboration bahnen, so öffnen sich Welten in verhängsnisvolle und schreckende Spiegelungen, deren Protagonistinnen den fernen Blick in weite Landschaften und dunkle Wälder schweifen lassen, so arg und fein, wie die Wahrheit nur sein kann.

Diesen genauen und undurchdringlichen Blick ins Drastische, die Version der unerbittlichen Vorstellungskraft über das rohe Gefühl – dies sind Segmente, in

Hibernation Battlefield II. A Stained Matress. Two Frozen Bodies. One Damaged Life. 2017 | 230×160 cm | Öl auf Leinwand | Privatbesitz | Foto: Lydia Balke

Andeutungen gedacht, aber in Klarheit gemalt. Die Ölformate der Malerin Lydia Balke steigen damit in die Grundthemen Dunkelheit, Leid, defekte Übereinkünfte ein. Diese, die aufgehellt sind, durch die stillen Details hyperrealistischer Vorstellungen von jungen Mädchen, Tauben, Mäusen, Schlachtmessern und wilden Tieren, zeigen die Bilder von realen Episoden – als Orte von Düsternis, einer vorgegebenen Drastik und wilder Gefangenheit. So erzählen Lydia Balkes Bilder zwar die Geschichten der Not, der Missgunst und der Einsamkeit, aber vor allem zeigen sie die Verletzlichkeit  – der Welt und der Natur, der Tiere und Menschen. Sie zeigen dies so eindringlich, dass man den Tanz auf Messers Schneide in den Knochen fühlt.

My Deer 2016 | 160×110 cm | Öl auf Leinwand | Privatbesitz | Foto: Lydia Balke

Ihre Werke stellen uns als Betrachter:innen vor die Wahl, dieser Undurchdringlichkeit zu folgen oder ihre Fesseln  beim Hinabsteigen in ein Diesseits menschlichen Argwohns, an den Barrieren vor den Toren der Hoffnung und all der Dinge, die mit dieser zusammengehen, zu lösen. Sie erschaffen eine Welt, die vor unserem Auge als reale Welt nicht vorhanden ist, aber  die Formen eines Gefühls von echten Vorkommnissen so direkt und genau empfinden lassen, dass  uns darin der Schmerz von realen Vorfällen gewahr wird.

Im Fuchsbau vierzehn Sommer der erste Schnee (bis einer heult) 2016 | 180×125 cm | Öl und Acryl auf Leinwand | Privatbesitz | Foto: Lydia Balke

Lydia Balkes Konfrontierung mit diesen Seinsweisen und den Wesenheiten von Emotion und den Schattenseiten, – dem Rätsel der Verständigung mit den Welten und den Antagonist:innen, die sich in den Strudel von uneinigen Vorstellungen begeben haben, verwendet oftmals eine Bildsprache der Skurrilität,  – die Düsternis, den Mechanismus der realistischen Phantasie als ihr bebilderndes Moment.  Die dargestellten Images zeigen uns einen vielschichtigen Zugang in die  Momente, die abseits von Tragik, die Mechanismen und Techniken von Verletzung und Abwehr offenbaren.  Innerhalb dieser Vorkommnisse blinzelt  der Wagemut und die Leichtigkeit einer offenen gefühlten Ironie hervor. Eines Schauspiels. Und auch das Absurde hat Verbindungen zu diesen Welten. Der blumige Kohl wird zu einem Geburtstagskuchen verziert, bildlich, sprachlich, als Moment makabrer Vagheit. Die Malerin zeigt die düsteren Vorgänge darin, deren unbedingte Vorstellbarkeit in prägnanten und kurzweiligen Sequenzen, auch die Episoden traumhafter Gedichte und Lyrik beschreibt. Das Nirgendwo wird kennzeichnend für den ruhenden Ort zwischen Dispositionen von psychischen Vorkommnissen in eine Zwischenwelt, die Schattenseiten beheimatet und der Phantasie einen Weg ins Abgründige vorschlägt. ʽViel zu weit ist es im Hinterland. Hinter mindestens zwei Häfen. Im Nirgendwo.ʼ  Es blitzen die einzelnen, vagen Verlockungen des Lebens darin auf.

Das Buch „Excuse me. Or not.“ ist überdies ein weiteres Feature. Eine Publikation mit Abbildungen einiger ihrer Werke und Gedichte,  in kleiner limitierter Edition. Ein großer Teil der Arbeiten in diesem Buch ist poetisch. Poems und Lyrics.  Sie supplementieren die Bestimmtheit und Wirklichkeit der realistischen Abbildungen, und haben die Drastik in der Weise minimiert, dass sie hervorlugt, und doch eigentlich verschwindet im Sog des Poetischen. Jedes Lied, jeder Song ein Hit. Die Limitierte Auflage hat 218 Seiten und beinhaltet Prints ausgewählter Malerei, Gedichte und Objekte.

Share with

Schreibe einen Kommentar

Start typing and press Enter to search