Momente in der Zwischenzeit - Ingrun Schnitzler

Über Ortlosigkeit und Anschauung und die Natürliche Empfindung
By Evdokia Michailidou
12. Juni 2022

Die großformatigen Ölbilder tauchen uns ein in eine Welt, die phantastisch erscheint und bildliche allegorische Verwandlungen kreiert. Doch ist sie zugleich so real, wie es die natürlichen Begeben- heiten und Gegen-stände in ihr erahnen lassen. Sie mäandern zwischen Welten der Vorstellungskraft und der natürlichen realen Welt der Natur und der natürlichen Umgebung. Diese Zwischenräume, diese différence zwischen den Welten, beschreiben eine Zwischenzeit. So sind die Bilder von Ingrun Schnitzler Formate in einer Zeit, die es eigentlich nicht gibt und können doch im Hier, im Diesseits angedeutet und verortet werden. Sie öffnen den Blick für das Zeitlose, – das Unvorhersehbare und Offene.  Denn die Wesen und surrealen Gestalten ihrer Anschauung, erhalten wohl ihr Dasein aus unserer Vergangenheit,  einer zeitlichen und kreatürlichen Vorzeitigkeit unserer Welt. Dadurch erscheint die Abwesenheit zeitlicher Festlegung als intermittierendes Moment in ihnen. Ein Gedanke der Freiheit schwebt darüber.  Die freien Arbeiten wählen das Erdige und das Natürliche, so sind sie damit in eine Absprache zwischen Existenz und Liebe getreten. Sie scheinen so, durch die angedeuteten Figuren, die Bestimmtheit von Sein und Wesenheit, von Leben und Verlauf zu erfinden. 

Die Motive erleben sich konsequent im kreatürlichen Prozess und zeigen Segmente von stiller Beobachtung der Wesen und Dinge dieses Planeten. Sie beschreiben die Anschauung und ihre Begriffe in ihren Wesenhaften Bestimmungen. Die existenzielle Bestimmtheit dieser Fabelwesen dringt ins Innere unseres menschlichen Seins, die Bewegung eröffnet ihre Haltung – als Moment von Bedachtheit, – und von stiller Ruhe. In den Bildern ist diese Zeitlosigkeit in ihrer Haltung erkennbar. Sie versinnbildlicht den Hauch der Wesenhaften Natur.  Die Momente halten die bewegten Figuren fest und verdeutlichen dadurch Aufnahmen von sinnlichem Dasein, so als ob  sie uns anschauten und als sprächen sie mit uns. Sie fordern uns auf und sind doch still. Denn dies sei die Wesenheit der Zeit a priori in ihnen – und dadurch in uns und unserer Vorstellung.

Einen weiteren Schwerpunkt der aktuellen Ausstellung bilden die farbigen,  unterschiedlich gearbei- teten Strickbilder. Sie erstellen in der Serie von 10 Kleinformaten einerseits in ihren geometrischen Elementen und Vektor-Mustern, Strukturen dar, die insbesondere an die Textilarbeiten der first nations erinnern (25 Wollknäuel). Südamerikanische Einflüsse rühren aus der Kindheit der Künstlerin, die einige Jahre dort verbrachte. Die Konnotation zu Natur, den natürlichen Prozessen der Existenz sind auch hier eine vorausgehende Intention. In der eindrucksvoll großen Strickarbeit (Seepferd und Pelikan/ Großer Kopf) führt ein einziger fließender Prozess zum abstrakt-figürlichen Werk. Die Schau präsentiert ausgewählte Einzelstücke, von Keramik über Textilien bis hin zu Malerei.

Share with

Schreibe einen Kommentar

Start typing and press Enter to search