- Anaphora: Rückbeziehung -
Anaphora: Rückbeziehung
Das künstlerische Projekt „Rückbeziehungen“ untersucht die vielschichtigen Verflechtungen zwischen Menschen, Erinnerungen und sozialen Räumen als dynamisches Gefüge gegenseitiger Bezugnahmen. In unterschiedlichen medialen Setzungen werden Beziehungen nicht als lineare Verbindungen, sondern als rückwirkende, sich ständig neu konstituierende Prozesse sichtbar gemacht.
Im Zentrum steht die Frage, wie Identität, Nähe und Distanz durch Rückkopplungen von Erfahrung, Erinnerung und Wahrnehmung geprägt werden. So entsteht ein vielstimmiger Resonanzraum, in dem Beziehung als offenes, instabiles und zugleich produktives Prinzip erfahrbar wird.
Erweitert um die Rückbeziehungen zur Natur richtet sich der Blick auf die wechselseitige Durchdringung von menschlichen und nicht-menschlichen Systemen. Landschaften, Ökosysteme und materielle Umwelten erscheinen dabei nicht als Kulisse, sondern als aktive Gegenüber, die Wahrnehmung, Verhalten und Erinnerung zurückspiegeln und mitformen. So entsteht ein Resonanzraum, in dem Beziehung als ökologisch und existenziell verflochtenes Prinzip erfahrbar wird.
Oh, altes Holz,
es knirscht im Hause,
– der Hall ist das Echo.
Altes Holz,
sägende Hände halten es fest,
– es bleibt etwas übrig.
Sägende, die Hände halten es,
– es bleibt im Haus.
Der alte See,
das Holz dort und Geäst,
im Wasser,
– oh, Plankton.
Der alte See,
das Treibgut knirscht,
ob der Schwarm darüber …
Äste liegen auf dem See,
Treibholz, Rest und mehr,
– der altertümliche See.
Mücken über ihm,
Treibholz nebst am Ufer entlang gebeugt,
– modernd entsteht etwas Neues.
Ab dem Modern,
ist es etwas lebendiger jeher,
– am alten See.
Astra
Blau, blau, blau .
Ozeane lieben mich.
Fluoreszierende Versatze.
Welle zu mir, mein Astra.
Der Wellengang ging schleunigst – in die Gänge gekommen,
das Fluoreszierende.
Viele Vögel vliegen voller vieler Varben.
An den Ozeanen und Wellen vorbei …
– über Meere und Pazifiken in viele Atlantiken.
Auf der kleinen Reise begegnen uns Partikel, kleinste Staubkörner, granuliert und verkommen, aber so, so, so niedlich und bläulich blau.
Astra
Ihr kleinen Meereskörner, nun wohin mit so, so, so vielen, sie fliegen umher im Wasser,
– schwirren.
Der Wellengang schüttet euch an die Strände mit den Vögeln, die in euren, in den Schlünden,
in den Vögeln, die Vögel sind
im Meer.
Mit Geäst, neben, nebst,
den Ufern
die Seerosen und Anemonen.
© evdokia michailidou
In: Katalog zur Ausstellung „meine überreste lagern langfristig – m.ü.l.l.“ Ein Diskurs zur Schau “m.ü.l.l. – meine überreste lagern langfristig” von Gregor Zootzky, 2021. Vom 8. Juli bis 18. Juli 2021 im Kölner Kunsthaus Rhenania.
